Konzerte: Wie komme ich als Anfänger an Akkreditierungen?

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Aus aktuellem Anlass (und weil diese Frage immer wieder auftaucht) hier einmal ein paar Zeilen aus der Rubrik „Lebenshilfe“.

Häufig bekomme ich Mails / lese im von uns betriebenen Forum → „Three Songs | No Flash“ /sehe auf facebook die eingangs erwähnte Frage – oftmals gleich verbunden mit dem Einwand: „Wie soll ich denn bei einer Akkri-Anfrage Referenzen vorweisen können, wenn ich nirgendwo welche machen darf?“

Das ist natürlich auf den ersten Blick ein gewichtiges Argument und verleitet erst einmal dazu, sich dem Frust hinzugeben. Aber: Kaum ein Konzertfotograf hat gleich mit Topacts anfangen können – der Weg dorthin ist fast immer ein Beschwerlicher. Gucken wir uns doch einmal mögliche Wege an:

Webzines / Party- und Eventportale

Es gibt genügend Webseiten und oder Partyportale, die ab und zu (oder auch regelmäßig) interessante Akkris abstauben und diese dann auch weiterreichen, aber das ist vielleicht nicht der einzig zielführende Weg.

Natürlich kannst Du hier auch Routine im Fotografieren erlangen, aber zwei Dinge sprechen nach meiner Meinung eher dagegen, sich ausschließlich auf diesen Weg zu verlassen:

  1. Du wirst nicht so als eigenständiger Konzert-Fotograf wahrgenommen, sondern immer nur ein Anhängsel des jeweiligen Zines oder Portals sein. Ob Du die Bilder dann noch für eigene Zwecke (und sei es nur eine eigene Webseite als Portfolio) verwenden kannst / darfst, ist nicht immer sicher.
  2. Den Teil der Arbeit, der die Beschaffung der Akkris betrifft, umgehst Du. Dadurch entgeht Dir ein gewaltiger Lernbereich und Du kommst ggf. auch nicht an die interessanten Kontakte heran, die Du eigentlich bräuchtest.

Du kennst eine Band

… und kannst für sie Bilder machen. Ein sauberer Einstieg! Es wird vermutlich nicht ausbleiben, dass sich nun zwei Dinge ergeben:

  1. Wenn Du Deinen ersten Einsatz nicht völlig in den Sand setzt, darfst Du bestimmt weitere Acts dieser Band fotografieren, dabei sammelst Du wertvolle Erfahrungen.
  2. Es wird nicht ausbleiben, dass Du dadurch auch andere Musiker kennenlernen wirst, bei denen Du dann vermutlich auch Fotos machen kannst. Vielleicht lernst Du dadurch auch Veranstalter oder Betreiber von Locations kennen, wodurch sich wieder weitere Kontakte und Einsatzmöglichkeiten ergeben…

Und schon bist Du drin in der Szene und kannst Dir einen Namen machen. Auch wenn es jetzt altväterlich klingen mag: Bescheidenheit gepaaart mit souveränem Auftreten hilft hier ungemein weiter. Es bringt nix, wenn Du „voll auf Profi mit dicker DSLR“ machst und es hilft auch nicht weiter, wenn Du wie ein aufgescheuchtes Huhn vor (oder – schlimmer noch – zwischen) den Musikern rumrennst. Die Show machen die Musiker, niemals der Fotograf!

… und jetzt geht es weiter!

Du hast angefangen und die ersten Acts fotografiert.
Mach mehr Fotos!
Mach bessere Fotos!
Mach noch mehr bessere Fotos!
Zeige Deine Fotos – niemals zu viele, immer nur wenige, dafür aber wirklich nur die besten. (Kleiner Tipp am Rande: Wenn Du die Bilder eines Gigs hart ausgesiebt hast und nur noch die Guten übrig geblieben sind, dann schmeisse noch mal zwei Drittel davon weg. Das verbliebene Drittel ist dann – vermutlich – präsentabel.)

Zeige Deine Bilder idealerweise auf einer eigenen Webseite, die mit Deinem Namen eindeutig verbunden ist. Verzichte dabei nach Möglichkeit auf einen Namen wie „Hugo Hugendübel-Photography“ und anderes „Voll-der-Profi-Gedöns“. Zeige nur wenige Bilder, schreibe bei den Bildern mindestens dazu, wer darauf zu sehen ist. Zeige Bilder in social networks, lasse die Bands Deine Bilder zeigen, achte darauf, dass Sie Dich namentlich erwähnen und verlinken. So kommt im Laufe der Zeit ein Portfolio zusammen, mit welchem Du Dich jetzt endlich guten Gewissens für interessante Acts um eine Akkri bewerben kannst. Und sehr oft wirst Du dennoch auf eine Anfrage eine Absage oder gar keine Rückmeldung bekommen – that’s the usual business. Lasse Dich nicht entmutigen und bleibe am Ball.

Das ist natürlich nicht alles innerhalb von drei Wochen zu schaffen. Beharrlichkeit und der Wille zum permanenten Dazulernen (und eine gehörige Portion Masochismus) sind gefragt aber letzendlich zielführend.

Viel Erfolg dabei!